CFP: Addison und Europa, Paris, 7./8.12.2018

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Addison und Europa

 Internationale Tagung
7./8. Dezember 2018

Universität Paris3-Sorbonne

 

Wenngleich Dr. Johnson in den Schriften von Joseph Addison den Inbegriff des englischen Stils – und überhaupt des Englischen[1]an sich – zu erkennten vermeinte, wäre es sicherlich unrichtig, würde man die für 2019 geplanten Feiern zu Addisons 300. Todestag sowie die damit verbundene und seit langem erwartete Veröffentlichung seines Gesamtwerkes bei Oxford University Press als eine reine Angelegenheit der Engländer betrachten. Joseph Addison verfügte nicht nur als Schriftsteller, der die Grand Tourabsolviert hatte, sondern ebenso in seiner Funktion als Staatssekretär für auswärtige Angelegenheiten (1717), der für die südeuropäischen Staaten zuständig war, über ausgezeichnete Kenntnisse der geographischen und kulturellen Verhältnisse auf dem europäischen Kontinent.    

Darüber hinaus ist Addison einer der ersten britischen Autoren, der in Frankreich und auf dem Kontinent einen größeren Bekanntheitsgrad erreicht hatte. Bereits zu seinen Lebzeiten war er mit seinem Reisebericht Remarks on Italy(1705), mit der Tragödie Cato(1713), seinen Moralischen Blättern wie dem Spectator(1711–1712 ; 1714) oder dem Guardian(1713) sowohl in seinem englischen Umfeld wie auch jenseits des Ärmelkanals bekannt geworden. Während des gesamten 18. Jahrhunderts sollten auf dem Kontinent zahlreiche Übersetzungen, Kommentare bzw. Nachahmungen entstehen.

Darauf wurde auch die Encyclopédieum die Mitte des Jahrhunderts aufmerksam, deren Vertreter, Chevalier de Jaucourt, den englischen Autor als „einen der besten Schriftsteller seiner Zeit“ bezeichnete und von ihm als einem „Freund des Menschengeschlechts“[2]sprach. 

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts allerdings ging das Interesse für Addison in Europa allmählich zurück, da sich die Leserschaft immer weniger mit seinem Idearium identifizierte. Es war für die europäischen Rezipienten schwer nachvollziehbar, wie seine Begeisterung für die antike Welt mit seiner tiefen Verachtung des Katholizismus und mit seinem britischen Chauvinismus einhergehen konnte.[3]Erst seit den 1970er Jahren ist sein Name im Zuge des aufkommenden Interesses für die Erforschung der Presse des 18. Jahrhunderts wieder stärker in den Vordergrund getreten. Wenngleich heute vor allem Addisons Einfluss im Zusammenhang mit seinem essayistischen und journalistischen Werk bekannt ist, fehlen eingehende Studien zu seinem breiten Wirken in der europäischen Aufklärung.

Die vorliegende Einladung richtet sich an Forscherinnen und Forscher aus diversen Fachrichtungen, wie etwa aus der Philosophie, aus den Geschichts-, Literatur- oder Übersetzungswissenschaften. Im Vordergrund der Betrachtungen sollen einerseits die europäischen Einflüsse auf Addisons Schreiben und Wirken untersucht werden, andererseits aber auch umgekehrt die Rezeption von Addisons Werk in Europa. Wie haben sich seine Schriften auf die literarischen Gattungen ausgewirkt bzw. auf das europäische Idearium im Bereich von Philosophie, Religion, Ästhetik, Gartenkunst, Musik u.a. 

Folgende Themenbereiche könnten etwa im Rahmen der Tagung diskutiert werden, wobei es sich hier um eine exemplarische Aufzählung handelt:

  • Addison und seine europäischen Netzwerke
  • Europäische Einflüsse aus Klassik und Moderne auf Addison
  • Die Rezeption von Addisons Werk in Europa (Theater, journalistische Essays, Poesie, Oper, Traktate, Reiseberichte) in Übersetzung und Kritik
  • Der Einfluss Addisons auf die nationalen Literaturgattungen (Essay, Journalismus, Roman u.a.)
  • Einflüsse seiner ästhetischen, philosophischen, ökonomischen, religiösen Ideen (z.B. auf die Gartenkunst, Oper, Medaillen, Phantasie, Handel, Apologetik u.a.)
  • Wahrnehmungen, Vorstellungen, Konstruktionen der Person Joseph Addison (in seiner Funktion als Staatsmann, Schriftsteller, Engländer, Vertreter der Aufklärung bzw. Gegenaufklärung und des modernen Lebens, Moralist, Humorist, Nationalist u.a.)

Bitte schicken Sie bis zum 15. September 2018 ein kurzes Exposé von max. 200 Wörtern und eine Bio-Bibliographie an Claire Boulard Jouslin (claire.boulard@univ-paris3.fr) und an Klaus-Dieter Ertler (klaus.ertler@uni-graz.at).

 

[1]     Samuel Johnson, ‘Life of Addison’, The Lives of the English Poets, 1779.

[2]     Encyclopédie , ‘Wilton’, vol. 17, p. 617

[3]     Bonamy Dobrée, The Early Eighteenth Century 1700-1740 : Swift, Defoe and Pope, Clarendon Press, Oxford, 1959, p. 102- 120

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