CFP: Rückzugsgefechte? Handlungsspielräume, Kunstmentoring und Selbstentwürfe des europäischen Hochadels um 1800, Wien 2019

Call for Papers

Rückzugsgefechte? Handlungsspielräume, Kunstmentoring und Selbstentwürfe des europäischen Hochadels um 1800

Universität für Musik und darstellende Kunst Wien

1.–2. März 2019

Der Workshop widmet sich dem europäischen Hochadel und seiner spezifischen Situation in den Jahren von der Französischen Revolution bis zur Restauration im Wiener Kongress, am Übergang von der Frühen Neuzeit zur Moderne, von der ständischen zur bürgerlichen Gesellschaft. Im Fokus des Workshops stehen die Handlungsspielräume und Selbstentwürfe des Adels sowie alte und neu entwickelte Formen der Kunstförderung in einem historischen Moment der Krise.

Durch die Entwicklung einer modernen Staatsverwaltung mit reguliertem Steuerwesen und Militär aus der alten privilegierten Stellung immer mehr an den Rand gedrängt und konfrontiert mit der Konkurrenz eines aus Beamten, Akademikern und Unternehmern zusammengesetzten Mittelstandes, verlor der hohe Adel zunehmend an Einfluss. Seine auf agrarischer Produktionsweise beruhende wirtschaftliche Potenz konnte vom Aufschwung industrieller Produktion wenig profitieren. Die Wirtschaftskrise in Folge der europaweiten Kriegshandlungen beschränkte überdies den finanziellen Handlungsspielraum des alten Adels zum Teil beträchtlich. Damit wandelten sich auch die Formen aristokratischer Kunstförderung. Die Kultivierung von Kunstsinn und Kulturpatronage in der Tradition überkommener Adelskultur bot adeligen Familien die Möglichkeit, den drohenden politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bedeutungsverlust zumindest zeitweilig zu kompensieren.

Der Workshop soll die Situation der europäischen Hocharistokratie um 1800 in all ihren Facetten thematisieren. Beiträge können beispielsweise folgende Aspekte berücksichtigen:

Handlungsspielräume

  • die politische und soziale Situation des Adels
  • familiäre Koalitionen: Heiratspolitik
  • ökonomische Grundlagen adeliger Herrschaft
  • Veränderungen in der Hofhaltung, in Herrschaftspraxis undLebensweise

Kunstmentoring

  • Mäzenatentum, Patronage: Konzepte adeliger Kunstförderung und ihre Veränderung
  • spezifische Formen der Förderung in verschiedenen Kunstsparten
  • Vergleich mit den Ausprägungen bürgerlicher Kunstpflege
  • Spezifika europäischer Metropolen, z. B. Wien, Paris, London, Berlin, Rom, Sankt Petersburg…

Selbstentwürfe

  • mentalitätsgeschichtliche Aspekte: Selbstbild und Standesbewusstsein, soziale und kulturelle Normen
  • Kommunikation und Interaktion innerhalb des Adels (Netzwerke)
  • Interaktion des Hochadels mit Zweiter Gesellschaft und Bürgertum
  • Foren und Formen der Repräsentation

Der disziplinäre Rahmen ist damit weit über die Musikwissenschaft hinaus gesteckt; im Sinne einer möglichst interdisziplinären Perspektive auf die Thematik richtet sich der Call for Papers an Wissenschaftler*innen aus den Musik-, Kunst- und Literaturwissenschaften, den Geschichts- und Wirtschaftswissenschaften (historische Netzwerkforschung, historische Wirtschaftsforschung), der Soziologie (historische Sozialforschung, Elitenforschung), den Kulturwissenschaften und verwandten Disziplinen.
 
Der Workshop beabsichtigt einen intensiven inhaltlichen Austausch, daher sind nicht allein Referate (20 min), sondern auch Formate geplant, die eine Diskussion fördern (Kurzreferate (10 min), Round Tables).

Wir freuen uns auf fruchtbare Impulse von arrivierten Wissenschaftler*innen aus verschiedenen Disziplinen. Ebenso willkommen ist die Beteiligung von Nachwuchswissenschaftler*innen.
 
Interessierte Wissenschaftler*innen sind eingeladen, eine kurze Skizzierung ihrer Forschungsfragen (max. 200 Wörter) und das gewünschte Format zusammen mit einer Kurzvita bis zum 28. November 2018 an Constanze Köhn, E-Mail: koehn@mdw.ac.at,einzureichen.

Für wissenschaftlichen Nachwuchs und Independent Researchers ist ein Reisekostenzuschuss vorgesehen.
 
Workshop-Sprachen sind Deutsch und Englisch.
 
Projektleitung:
Univ.-Prof. Dr. Martin Eybl
Universität für Musik und darstellende Kunst Wien
Institut für Musikwissenschaft und Interpretationsforschung Seilerstätte 26
A-1010 Wien
eybl@mdw.ac.at
 
Projekt-Website: https://www.mdw.ac.at/imi/transferprozesse-in-der-musikkultur-wiens

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