Ein Exkursionsbericht der ÖGE18

1 Schloss, 24 Prunkräume und mehr als 600 Kerzen: Am späten Abend des 12. Juni 2026 kam eine Gruppe der ÖGE18 in den Genuss einer Kerzenlichtführung in Schloss Eggenberg in Graz. Dabei wurde den 23 Teilnehmer*innen die Wirkung von barockem Licht im wahrsten Sinne des Wortes vor Augen geführt.
(c) Foto: Marion Romberg 2026
Dr. Paul Schuster, Leiter und Chefkurator von Schloss Eggenberg, hatte bereits 2024 beim Tag des 18. Jahrhunderts einen Festvortrag über „Schloss Eggenberg und das Licht des Barock“ gehalten und führte nun persönlich durch die 24 Prunkräume im zweiten Obergeschoß. Nicht weniger als 600 Kerzen erhellten die Parade- und Gesellschaftszimmer, die im Gegensatz zu den Räumen in Erdgeschoß und erstem Stock nie elektrifiziert wurden.
(c) Foto: Marion Romberg 2026


Eine Führung dieser Art ist weit mehr als ein gewöhnlicher Schlossbesuch: Sie ist eine sinnesgeschichtliche Zeitreise in eine Epoche, die kein elektrisches Licht kannte. Ein paar Minuten dauert es, bis sich unsere Augen an dieses sanfte, reduzierte Licht gewöhnten. Erst dann war es möglich, das raffinierte räumliche Arrangement aus barocken Lustern, Gemälden, Wandverkleidungen, Bodenbelag, Spiegeln und Fensterscheiben Stück für Stück zu erkunden.
(c) Foto: Marion Romberg 2026
Schon zeitgenössisch war diese Art des repräsentativen Kerzenlichts alles andere als alltäglich und den wohlhabenden Schichten vorbehalten. Denn die hochwertigen Bienenwachskerzen, die für die Illumination der Innenräume verwendet wurden, waren äußerst kostspielig. Ärmere Leute und Handwerker mussten mit übelriechenden und unruhig flackernden Talgkerzen Vorlieb nehmen.
(c) Foto: Marion Romberg 2026


Hans Ulrich, erster Fürst von Eggenberg (1568–1634), der den barocken (Neu-)Bau des Schlosses in Auftrag gab, scheute für die Innenausstattung aber keine Kosten. Wie die überlieferten Rechnungen des Familienarchivs belegen, bezahlte er für einen einzelnen Luster nicht weniger als 1.037 Gulden. Eine wahrlich stattliche Summe, wenn man bedenkt, dass zwei vergoldete Kutschen aus seinem Fuhrpark auf denselben Betrag kamen.
(c) Foto: Veronika Neuwirth 2026
Deckenluster waren aber nicht die einzigen kerzentragenden Beleuchtungselemente in den Prunkräumen. In den Gesellschaftszimmern standen tragbare Girandoles bereit, die den Gästen an den Spieltischen das ideale Licht für eine Partie Faro oder Piquet spendeten.
(c) Foto: Marion Romberg 2026


Besonders eindrucksvoll erstrahlt im Licht der Kerzen natürlich der Planetensaal. Die zahlreichen Luster, im Carrée angeordnet, sorgen in Kombination mit den Wandleuchtern für eine einzigartige Raumatmosphäre. Ein opulentes Festmahl, ein schwungvoller Tanzabend, eine anregende conversation… Vor dem geistigen Auge der Besucher*innen entfalten sich im Licht der Kerzen die Szenen barocker Geselligkeit wie von selbst.
(c) Foto: Veronika Neuwirth 2026
Wir danken Dr. Paul Schuster und seinem Team sehr herzlich für dieses unvergessliche Erlebnis! Wer an einer Führung bei Kerzenlicht teilnehmen will, findet hier den Link zur Anmeldung. Flinke Finger sind dabei von Vorteil, denn die Termine sind stets rasch ausgebucht. – Ein untrügliches Zeichen dafür, wie sehr die Atmosphäre von barockem Licht noch heute fasziniert!
(c) Foto: Sylvia Stegbauer 2026


